Was die Reise in mir verändert hat

Was die Reise in mir verändert hat

Im Flugzeug von Frankfurt nach Hong Kong war ich hauptsächlich mit heulen und mit dem unterdrücken der Tränen beschäftigt.  Ich hatte mich von Basti und meiner Mutter verabschiedet nur ist der große Unterschied, dass ich mir der Liebe meiner Mutter immer gewiss sein kann. Wie sich die Liebe von und zu Basti in den nächsten Monaten verändern würde, konnte ich aber nicht wissen. Das machte mir unglaublich zu schaffen und ich fragte mich während des ganzen Fluges, warum zur Hölle ich eigentlich unbedingt diese Reise machen musste.

Ich war mir zu 100% sicher, dass ich in Auckland sofort den nächsten Flug zurück nach Berlin buchen würde.

Ich wollte einfach nicht meine Beziehung aufs Spiel setzen. Während des Fluges von Hong Kong nach Auckland wurde es langsam besser. Ich hatte in der letzten Woche vor meiner Abreise die Reisezeit nochmals verkürzt, auf 4 ½ Monate. Diese Zeit würden wir schon schaffen.

In Neuseeland angekommen musste ich relativ schnell feststellen, das Reisen eine Person nicht innerhalb der ersten 24 Stunden verändert. Ich bin leider nicht allzu sozialverträglich, soll heißen, die Hostelbewohner gingen mir relativ schnell auf den Sack. Da ich mit mir selbst auch ganz gut zu Recht komme, war das wirkliche alleinreisen auch kein Problem. Und zudem hatte ich Basti im Hintergrund, der mir immer wieder in diesen Monaten aus der Patsche half.

Wie gesagt, ich nahm mich selbst und meine Schusseligkeit mit auf reisen

Das Gute daran war aber auch, dass ich die Möglichkeit hatte, mich selbst besser kennenzulernen, denn darauf kam es an. Ich musste meine Entscheidungen plötzlich nicht mehr nach einer Arbeitsstelle, nach gesellschaftlichen Belangen oder nach Freunden und Familie richten. Ich allein und meine eigenen Bedürfnisse waren der einzige Kompass den ich hatte und ich nahm die Signale meiner Psyche immer deutlicher wahr. Schnell lernte ich, dass mir die Stimmung in Städten überhaupt nicht gut tat. Werde in Hamilton, Auckland oder Thames fühlte ich mich wohl. Mir ging es regelrecht beschissen, wenn ich mich in Städten aufhielt. Sobald ich mich in kleinen Ortschaften mit viel Natur um mich herum aufhielt, ging es mir richtig gut.

Viel Zeit verbrachte ich beispielsweise in Coromandel Town, eine kleine Ortschaft mit ca. 1500 Einwohnern, Cafés, Kunsthandwerk etc. Ich hatte eine Unterkunft mit großem Garten und vielen Hängematten. Ich verbrachte fast drei Wochen dort, lag in der Hängematte, ging wandern, genoss Kaffee und Kuchen in meinem Lieblingscafé und lies die Seele baumeln.

In dieser Zeit versuchte ich mich auch das erste Mal an Meditation. Es war jedoch zum Scheitern verurteilt.

Erst in Raglan (Halbzeit meiner Reise) kam ich mit Yoga in Berührung und das änderte alles. Endlich nahm ich auch eine Verbindung zu meinem Körper war, wurde mir selbst immer bewusster, dass meine Suche kein Ende haben würde. Ich hatte von dieser Reise etwas verlangt, was sie gar nicht leisten konnte. Ich hatte erwartet, dass ich auf dieser Reise eine Antwort auf alles finden würde. Während der Yogastunden und nach meinen Meditationen (ich konnte mich immer besser darauf einlassen) akzeptierte ich mich selbst und meine Bedürfnisse. Ich lernte, dass ich jeden Tag anders drauf bin und meine Bedürfnisse somit auch nicht jeden Tag gleiche sind. Ich kam so sehr zur Ruhe und in ein inneres Gleichgewicht, dass mich noch nicht mal der Verlust meiner Kreditkarte aus dem Konzept brachte. Im Gegenteil, ich dachte mir nur, die wird schon irgendwo wieder auftauchen. Tatsächlich fand ich sie dann auch per Zufall an der Toilette des Cafés wieder.

Ich empfand die ersten beiden Monate der Reise als Vorbereitung zu dem, was ich in Raglan erlebte. Ich machte täglich 1,5 bis 3 Stunden Yoga und meditierte. Ich gönnte mir viel Kaffee und Kuchen und genoss diese Zeit unglaublich.

Mir wurde aber auch klar, dass diese Entwicklung nur der Beginn eines Prozesses war.

Und ich stand erst am Anfang. Ich versuchte mit den Sorgen umzugehen, die mich gleichzeitig beschäftigten. Vor allem die Sorge, wie ich mit dieser neugewonnenen Freiheit in Deutschland zu Recht kommen würde. Würde ich diesen Gemütszustand in Deutschland beibehalten können? Schließlich ist das Leben in Berlin sehr stark davon geprägt, einem Job nachzugehen, um Geld zu verdienen, dass man für die überteuerten Mieten benötigt.

Ein gutes Übungsfeld dafür waren die Fidschis.

Denn beim Verlust der Reisepässe war von meiner Gelassenheit nichts mehr übrig. Auch dass ich mit Yoga aufhörte machte sich deutlich bemerkbar. Ich war unzufrieden, wurde wieder leicht zwanghaft und meckerte an Basti rum, dass ich mich selbst damit nervte. Kaum fing ich wieder an jeden Morgen Yoga zu praktizieren, ging es mir besser.

Inzwischen sind wir wieder in Deutschland und ich versuche mir jeden Tag meine Gelassenheit und Ruhe zu bewahren. Ich praktiziere jeden Tag Yoga und stelle mich der Herausforderung, anders leben zu wollen.

Ich musste wohl erst nach Neuseeland fliegen, um mit Yoga anzufangen, denn erst dort war ich dem gegenüber aufgeschlossen. Und ich musste wohl auch erst auf die Fidschis fliegen, um die Disziplin zu lernen, auch alleine Yoga zu praktizieren.

Letztendlich hatte die Reise einen ganz anderen Sinn, als ich jemals geglaubt hätte. Aber ich bin dankbar dafür.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz