3 Punkte die mich an Reisebekanntschaften nerven

3 Punkte die mich an Reisebekanntschaften nerven

Ich empfinde Reisebekanntschaften als ätzend. Vielleicht nicht alle, aber zu 90% gehen sie mir gegen den Strich. Deshalb möchte ich dir in meinem Artikel Mut zum nein sagen machen, dir das Gefühl geben, dass du nicht unsozial bist, wenn du keine Kompromisse eingehen möchtest.  Am Ende wirst du mich entweder als Miesepeter wahrnehmen, oder verstehen, warum es so unglaublich wichtig ist, auch mal dein eigenes Ding zu machen. Vor allem wenn du auf Reisen bist.

Die Oberflächlichkeit des Kennenlernens

Alle Reisebekanntschaften laufen eigentlich gleich ab. Erst kommt ein Opener wie „Hi, weißt du das WLAN Passwort?“ oder „Wo ist hier eigentlich der nächste Supermarkt?“ Und dann folgen auch schon die üblichen Fragen:

  • Wie heißt du?
  • Woher kommst du?
  • Wie lange reist du?
  • Arbeitest du?
  • Wo warst du schon?

Und wenn wir ehrlich sind, meistens interessiert uns das kein bisschen.  Die einzig interessante Frage wäre da noch: „Warum bist du auf Reisen?“ Doch wenn du ausgerechnet in Neuseeland unterwegs ist, dann lautet die Antwort meistens, dass derjenige gerade mit seinem Abi fertig ist. Und diese Antwort ist dann echt nicht spannend.

Letztendlich sind all die Daten und Antworten auch völlig uninteressant, als würdest du in Deutschland mit dem Nachbar über das Wetter reden. Da gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied: auf Reisen lernst du täglich ein bis fünf neue Leute kennen. Würdest du täglich mit fünf Nachbarn über das Wetter sprechen? Also ich ganz bestimmt nicht. Und auch die Fülle sorgt dafür, dass du die Informationen direkt wieder vergisst. Im Großen und Ganzen also purer Smalltalk, den ich persönlich unglaublich anstrengend finde.

Viele Backpacker sind auch schlichtweg überfordert ihren Tag eigenständig zu gestalten

Aus diesem Grund sind solche Bekanntschaften ja unglaublich praktisch. Man fragt einfach den anderen, was er denn so für den heutigen Tag geplant hat und hängt sich dran. Das mag für einen Ausflug zum nächsten Touristenziel vielleicht noch ganz okay sein, aber wenn ich eine kleine Wanderung zu einer einsamen Bucht geplant habe, finde ich das nicht ganz so witzig. Schließlich sollte die Bucht ja einsam sein. Zudem bedeutet eine gemeinsame Aktivität automatisch auch das Eingehen von Kompromissen. Und dann hätte ich auch gleich mit einer guten Freundin losziehen können, denn mit ihr hätte ich die einsame Bucht wahrscheinlich auch viel mehr genossen, als mit, mir eigentlich vollkommen fremden Leuten.

„Irgendwie lernen wir gar keine Neuseeländer kennen“

Ich unterhielt mich einmal mit zwei jungen Mädels aus Deutschland. Nachdem die üblichen Smalltalk-Punkte abgehakt waren, kam eine Aussage, die mich sehr überraschte: „Irgendwie lernen wir gar keine Neuseeländer kennen. Wir begegnen denen gar nicht.“

Ehrlich gesagt war ich perplex, da ich ständig mit Leuten in Kontakt komme. Doch spätestens nach dem ersten Tag war mit klar, warum sie so dachten. Zu den Sehenswürdigkeiten fuhren sie mit dem Auto, zum Supermarkt gingen sie grundsätzlich zu zweit und die restliche Zeit verbrachten sie im Hostel. Na, da würde ich auch keinen Kiwi kennenlernen. Wenn ich alleine unterwegs bin, komme ich mit der Kellnerin in einem Café ins Gespräch (Okay, auch da gibt es Tücken: man sollte sich vielleicht einen Ort aussuchen, in dem nicht nur Backpacker als Servicekräfte arbeiten), auf einer Wanderung mit einer Gartenbesitzerin oder einfach nur auf der Straße, weil ich nach dem Weg frage. Sogar in Supermärkten haben die Kassierer Zeit für einen kleinen Schwatz. Aber kaum war ich mit Reisebekanntschaften unterwegs, ließen diese Kontakt rapide nach. Vor allem wenn ich Deutsche getroffen habe und diese dann auch nur deutsch sprechen, dann sind sogar andere Backpacker ausgeschlossen.

Zusammengefasst kann ich dir nur raten, freundlich aber bestimmt die Kontaktversuche abzuwiegeln

oder zumindest auf ein Minimum zu beschränken. Sag ganz ehrlich nein, wenn jemand bei deinem Tagesausflug mitkommen möchte. Du zahlst so viel für deine Reise, warum sollst du dann so viele Kompromisse eingehen? Denn wenn du nur Leute kennenlernen möchtest, dann kannst du auch in Deutschland in ein Hostel gehen, da lernst du auf günstige Art und Weise genügend Backpacker kennen.

Vielleicht ist es nicht immer einfach allein zu sein, aber wenn du offen genug bist, kommst du mit anderen Leuten auch schnell ins Gespräch und das handelt dann auch mal von anderen Themen. Es ist wesentlich spannender zu hören, dass die Töchter der Hostelbesitzerin in Hamilton zur Schule gingen, oder das die Schwägerin des Skippers in der Schweiz lebt als jeden Tag die gleichen Fragen und Antworten zu bekommen. Wenn du vor einer Reise stehst, kann die Aussicht auf Hostelbekanntschaften vielleicht beruhigend sein und in schwierigen Situationen vielleicht auch hilfreich, aber allzu oft hindern sie dich daran frei und unabhängig zu reisen.

Wie schon zu Beginn angekündigt, kann es sein, dass du mich jetzt für unsozial und miesepetrig hältst und du Reisebekanntschaften toll findest. Du darfst mich gerne eines besseren Belehren. Oder es geht dir genauso? Wenn ja, freue ich mich auf ein Feedback, denn es ist schön zu hören, dass man mit seiner Ansicht nicht ganz allein da steht.

Nächster Artikel: Warum ich 4 Monate reisen musste

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz